Mülhi 26: Arbeiten behindert

gefunden auf mülhauserstrasse26.ch:

Mülhauserstrasse 26: Blockierung von Messungen zur Luxussanierung

Am Donnerstag, den 9. März hat das Büro für Solidarität zusammen mit weiteren solidarischen Menschen den Architekten den Zugang zum Haus verwehrt. Ganz im Sinne der ursprünglichen Idee des Büros wurde damit die voranschreitende Planung der Totalsanierung auf konkreter Ebene blockiert und damit verzögert.

Zu den Hintergründen: Am 2. März 2017 wurde an der Mülhauserstrasse 26 eine „Anwohnerinformation“ ausgehängt. Es handelte sich um eine Ankündigung von Messungen und einer Bestandsaufnahme durch diverse „Unternehmer“ am 9. und 10. März. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt, da die Immobas gleichzeitig am 9. März zu einem Gespräch mit den Mieter_innen geladen hat. Die Vermutung liegt nahe, dass die Mieter_innen zum Zeitpunkt der Messungen also nicht im Haus sein sollten, um allfällige Diskussionen zu vermeiden. Für die Pensionskasse Basel-Stadt und Immobilien Basel-Stadt handelt es sich dabei um notwendige Arbeiten, um die beschlossene Totalsanierung durchsetzen zu können. An die Bewohner_innen ist es zugleich ein unmissverständliches Zeichen, dass sie in diesem Haus keine Zukunft haben werden. Der dadurch verursachte psychische Druck ist beabsichtigt. Die fehlende Urheber_innenschaft, die Abwesenheit klarer Informationen zu den Arbeiten sowie die Tatsache, dass sich unerwünschte Unternehmen Zugang zum Haus verschaffen, verschärfen diese Verunsicherung zusätzlich (siehe Anhang „Anwohnerinformation“). Wir wiederholen: Bei der Totalsanierung handelt es sich um eine unnötige Luxussanierung, bei der ein seit Jahrzehnten funktionierender sozialer Zusammenhang mutwillig zerstört wird. Wir unterstützen die Mülis dabei, so alt werden zu können, wie sie es sich wünschen. Auch weitere Vorbereitungen zur Totalsanierung des Hauses werden wir blockieren.

„Kaufen, in Scheiben schneiden und weiterverkaufen.“

via Tageswoche:

Der Häuserkampf im Gundeli

Ein Fall aus dem Gundeli zeigt, wie Investoren auf dem Wohnungsmarkt vorgehen und Mieterinnen und Mieter verdrängen.

Wie verrückt der Immobilienmarkt in Basel spielt, lässt sich derzeit im Gundeldinger Quartier beobachten. An Blauensteinerstrasse, Delsbergerallee und Hochstrasse kämpfen Mieterinnen und Mieter für den Verbleib in ihren Wohnungen.

Die Blauensteinerstrasse ist verkehrsberuhigt und liegt am westlichen Zipfel des Gundeldinger Quartiers. In diesem beschaulichen Stück Basel haben die Mieterinnen und Mieter den Kampf gegen zahlungskräftige Investoren bereits verloren.

Ihre Geschichte ist exemplarisch und beginnt im Sommer 2014, als die Hausbesitzerin der Nummer 11 verstirbt. Es gibt keine direkten Nachfahren, also muss das Erbschaftsamt herausfinden, wer das Haus erbt. Erst nach langer Suche findet man eine entfernte Verwandte in Argentinien.

Verkauf an den Höchstbietenden

Die Mieterinnen und Mieter schliessen sich zusammen, als sie hören, dass das Haus verkauft wird. Schnell wird klar: Sie sollen beim Verkauf nicht bevorzugt werden. Das Erbschaftsamt will an den Höchstbietenden verkaufen – im Interesse der Erbin.

Die Mieterinnen und Mieter klauben ihre Ersparnisse zusammen und machen einen Plan, wie sie beim Hausverkauf mitbieten können. Das Haus soll in eine Genossenschaft integriert werden. So könnten sie ihre Wohnungen behalten, wenn sie einen Anteil Eigenkapital in den Kauf einschliessen.

Die Basler Genossenschaft Mietshäuser Syndikat bietet Hand, ein offizielles Kaufangebot zu machen. Mit ihr erstellen die Mieterinnen und Mieter als Erstes einen Finanzplan. Mit der Einlage einer Bank können sie so beim Hausverkauf bis 1,5 Millionen Franken mitbieten.

Eigentlich sollte dies auch reichen: Es ist der Wert, den Mietshäuser Syndikat aufgrund der künftigen Mietzinse und der notwendigen Investitionen berechnet. «Die Banken, die ich kontaktierte», erklärt Ivo Balmer vom Mietshäuser Syndikat, «schätzten den Wert der Immobilie aufgrund des baulichen Zustands und der Lagekriterien auf etwa 1,3 Millionen Franken.» Der Versicherungswert liegt noch etwas höher.

Doch die 1,5 Millionen Franken der Mieterinnen und Mieter reichen nicht, um das Haus zu kaufen. Den Zuschlag erhält Immro AG mit Sitz im Kanton Luzern. Die Immobilienfirma zahlt etwas mehr, Balmer schätzt den Kaufpreis auf mindestens 1,68 Millionen Franken, was dem höchsten Gebot in der ersten Verkaufsrunde entsprach.

Inserate für Eigentumswohnungen

Mitte November – noch bevor die Handänderung im Kantonsblatt publiziert wird – stellt die Immro AG bereits ein Inserat online, in dem sie Eigentumswohnungen an der Blauensteinerstrasse ausschreibt. Die Immobilienfirma wirbt mit dem «Bijou» an «einer der schönsten Strassen in Basel» und verlangt für eine Wohnung 650’000 Franken.

Bis Mitte Februar sind bereits vier Wohnungen verkauft. Eine weitere grössere Wohnung bietet die Immro AG auf einem neuen Inserat zum Preis von 1’095’000 Franken an. Sofern die Firma auch für diese Wohnung einen Käufer findet, sackt sie rund 3,7 Millionen Franken für das ganze Haus ein – mehr als doppelt so viel, wie sie für das Haus bezahlte.

Wie viel Geld in Renovationen gesteckt wird, will die Immro AG «aus Datenschutzgründen» nicht sagen.

Jörg Vitelli von der Genossenschaft Gewona Nord-West geht davon aus, dass die Renovationsarbeiten der Immobilienfirma nicht nachhaltig sein werden: «Es sind häufig Pfuschrenovationen, die solche Investoren durchführen – weil sie nur am schnellen Geld interessiert sind und sich nicht um Folgeschäden kümmern.»

Das Vorgehen der Immro AG, aus dem Haus Stockwerkeigentum zu machen, habe System. Denn es laufe meist nach demselben Schema, sagt Vitelli: «Kaufen, in Scheiben schneiden und weiterverkaufen.»

Er betreut ein Projekt an der Delsbergerallee, wo Mieterinnen und Mieter ihre Wohnungen ebenfalls in eine Genossenschaft integrieren wollen, weil der Eigentümer das Haus verkauft. Vitelli meint, die Gefahr bestehe wie in der Blauensteinerstrasse, dass ein privater Investor zuschläge, die Mieterinnen und Mieter rausekle und teure Eigentumswohnungen daraus mache.

Das momentane Zinsumfeld fördere dieses Verhalten. Da Bankkonten kaum Zinsen abwerfen oder Sparguthaben gar mit Negativzinsen belastet würden, investierten viele Leute in Immobilien, sagt Vitelli. Das heize den Wohnungsmarkt zusätzlich an.

Aufwertung des Quartiers

Das derzeit grösste Umbauprojekt im Gundeli steht an der Hochstrasse an. Dort will die Zürcher Anlagestiftung Turidomus die bestehende Häuserzeile abreissen und einen Neubau mit Wohnungen hinstellen. Dass die Mietzinse deutlich höher werden, ist dabei eigentlich gar keine Frage. Die rund 100 Mieterinnen und Mieter haben bereits die Kündigung erhalten (die TagesWoche berichtete).

Auch dort habe man versucht, die Häuser in eine Genossenschaft zu integrieren, erklärt Balmer vom Mietshäuser Syndikat. Ohne Erfolg. Turidomus wollte an ihren Neubau-Plänen festhalten, die sie seit über sechs Jahren hegt.

Der Neubau, der ab 2018 gebaut werden soll, wird das Quartier weiter aufwerten – ehemalige Mieterinnen und Mieter machen Platz für neue, zahlungskräftige Kundschaft.