Wagenplatz an der Uferstrasse 80

83126Medienmitteilung vom 7. September

Mit dem Ziel, in Basel alternative Wohnformen und unkommerzielle Kultur zu ermöglichen, haben wir am 27. August die brachliegende Fläche an der Uferstrasse 80 besetzt.

Seit dem ersten Tag der Besetzung stehen wir mit der Hafenverwaltung in Kontakt und verhandeln über die Möglichkeit, die brachliegende Fläche längerfristig nutzen zu können. Beim letzten Verhandlungsgespräch am vergangenen Montag gab uns die Hafenverwaltung zu verstehen, dass wir aufgrund bürokratischer und gesetzlicher Hürden gehen müssten.

Wir sind von dieser Haltung enttäuscht, einmal mehr wird eine Initiative zur Schaffung von selbstverwalteten unkommerziellen Freiräumen im Keim erstickt. Vorschriften und behördliche Reglemente werden seit Jahren vorgeschoben, wenn es darum geht, ungewünschte Projekte auszuschalten. Dabei ist es doch offensichtlich: Freiräume sind nur Freiräume, wenn sie dem Konsumzwang und der behördlichen Kontrolle, die diese Stadt dominieren, entzogen sind; wenn sich Menschen verwirklichen können ohne sich von bürokratischen Hürden bremsen lassen zu müssen.

Hier im Hafengebiet ist das Argumentieren mit Reglementen doppelt absurd: Seit die Politik das ungestillte Bedürfnis nach unkommerziellen, unreglementierten Räumen nicht mehr leugnen kann, wird eben dieser Hafen als künftiger Freiraum angekündigt. Wenn nun die Stadt die erste Initiative für eine solche neue Nutzung des Hafenareals mit Verweis auf Bauvorschriften kaputt macht, entlarvt sie ihre eigenen Versprechen als Lügen. Seitens der Stadt und der Hafenverwaltung zeichnet sich der Anspruch ab, „Freiräume“ planen und kontrollieren zu wollen. Dabei ist doch offensichtlich: Wahre Freiräume lassen sich nun mal nicht von oben einrichten, sondern wachsen aus den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen, die diese Stadt ausmachen.

Um klar zu stellen: Noch haben wir von der Stadt Basel keine definitive Absage erhalten. Wir suchen weiterhin das Gespräch und stehen nun vor Verhandlungen mit der Regierung der Stadt Basel. Wir sind überzeugt, dass eine Einigung möglich und machbar ist.

So oder so sind wir entschlossen, die Idee eines Wagenplatzes in Basel umzusetzen, Raum für selbstverwaltete Projekte und alternative Wohnformen zu schaffen, fernab kommerzieller Absichten und städtebaulicher Normen.

Platzbesetzung am Hafen

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Am Samstagmorgen wurde im Basler Rheinhafen an der Uferstrasse 80 eine Brachfläche durch ca. 30 Aktivist_innen und vorerst drei Wägen besetzt.
Wir wollen Raum für selbstverwaltete Projekte, Raum für alternative Wohnformen, Raum der sich nicht im Voraus definieren muss, Basel ärmelt an solchen Orten.
Wir richten uns deshalb hier auf dieser Brache im Hafenarel ein.
Gemütlich und lebendig soll es werden, ein Platz fernab kommerzieller Absichten und städtebaulicher Normen.
Kommt vorbei an die schöne Uferei.
Bringt Baumaterial, Essen, Zelte, Wägen. Tragt sorge und lebt mit.

Update So, 28.08: Wägen wachsen, Zelte spriessen
Die ganze Geschichte ist mittlerweile auf ca. 6 Wägen und einige Zelte angewachsen, es wurde fleissig gebaut (es gibt mittlerweile ein Klo, eine grosse Küche samt „Wohnzimmer“, eine Bar und verschiedene Bänke laden zum Verweilen ein).

Kommt uns besuchen.

Freyrüüm göhn dr Bach ab

 

Welche Freiräume verteidigen wir den überhaupt noch?thumb-_1020338

Inzwischen ist der Begriff «Freiraum» zum Wort geworden, mit welchem jeder gerne um sich wirft. Freiraum bedeutet aber nicht, sich in einem festgelegten Rahmen zu bewegen, sondern freie Entfaltung und Verwirklichung im täglichen Leben.
Es widerspricht dem grundsätzlichen Gedanken, wenn Freiräume mittels Staatsauftrag, Regeln und finanziellem Aufwand angeboten werden. Ob das nun ein Areal mit früher autonomen Strukturen wie das NT-Areal ist, ob das von der Stadt nicht bewilligte Musikveranstaltungen im öffentlichen Raum sind, oder ob alternative Lebensformen und Strukturen geräumt und verkauft werden wie aktuell an der Wasserstrasse.

Vielerorts in dieser Stadt werden Begriff und Bedeutung von «Freiraum» mit Füssen getreten. Wer sich wehrt wird als Querulant verunglimpft. Doch es sollte in unserem Interesse sein, dass sich die Situation wieder ändert. Jeder der in dieser Stadt lebt, soll auch mitprägen, beleben und sich einbringen können, losgelöst von finanziellen Gedanken und reglementierten Anforderungsprofilen.

Darum schwimmen wir heute gemeinsam «dr Bach ab»! Durch kreative Massenproteste einem ehrlichen Drang nach Freiheit zur Stimme verhelfen. Wir sind nicht wenige, wir sind organisiert und werden uns nicht vorschreiben lassen, wie, wo und warum wir wohnen, leben, wirken und uns entfalten wollen!

Freiraum bedeutet Stadt für alle!

Eine «illegale» Party

Folgender Flyer ist am 31. Juli 2011 an der Party auf der Dreirosenbrücke verteilt worden

Ihr befindet euch hier an einer illegalen Party. Illegale Partys mögen zwar ziemlich cool und häufig wie irgend eine kommerzielle Party wirken, doch es gibt einige Unterschiede:

Hier ist nichts professionell gebaut und durchgeplant worden. Hier ist kein Ort, an dem der eine Konsument und der andere Produzent sein soll. Illegale Partys können nur so viel Spass machen, wenn sich jeder beteiligt, mithilft, Verantwortung übernimmt. Dies betrifft auch den Umgang mit der Polizei, sollte sie aufkreuzen und den Anlass mit fadenscheinigen Begründungen beenden wollen.
Nur soviel dazu: Es ist nicht in Ordnung, dass die Staatsgewalt unsere nächtlichen Zusammenkünfte auflöst.
Deswegen schlagen wir vor:

  • Behindert die Polizei. Steht im Weg rum, labert sie blöd an.
  • Sichert die Anlage. Schaut, dass Leute die Anlage wegschaffen können, bevor die Polizei an sie rankommt.
  • Wenn ihr euch dazu in der Lage fühlt: Geht in die Offensive. Schaut, dass die Party weiterlaufen kann, ohne noch mal von der Polizei belästigt zu werden.

Wichtig: Bei Kontakt mit der Polizei

Sollte es doch zu grösseren Problemen mit der Polizei kommen, hier einige Tipps:

  • Solltet ihr von der Polizei mitgenommen werden, schaut, dass euch Umstehende sehen und wissen, dass ihr verhaftet wurdet.
  • Ihr müsst folgende Angaben machen: Name, Vorname, Meldeadresse, Heimatort, Geburtsdatum, Name der Eltern, Beruf. Sonst nichts!
  • Ansonsten: Verweigert die Aussage! Lasst euch nicht auf Diskussionen ein! Mit der Polizei zu sprechen gefährdet nur euch und eure Freund_innen. Ihr habt das Recht auf Aussageverweigerung. Dies darf nicht gegen euch verwendet werden, egal was sie euch erzählen.
  • Lasst euch nicht unter Druck setzen! Unterschreibt nichts!
  • Wenn sie euch wieder rauslassen: Meldet euch bei euren Freund_innen und redet über eure Erlebnisse.

Schaut zu euch und euren Freund_innen!

Einige Partybesucher_innen und -organisator_innen.

S Wasser stoht uns bis zum Hals, d Freyrüüm göhn dr Bach ab!

 

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Mit Booten, Schwimmring etc. den Rhein als Freiraum nutzen und auf die Situation in der Stadt Basel aufmerksam machen. Seid kreativ, lasst euch nicht einschüchtern und versucht euch zu organisieren!

Programm 31. Juli 2011

16 Uhr Treffen im Solitude
17 Uhr Grosses „alternatives Rheinschwimmen“ bis zur Dreirosenbrücke

Alternative Lebensformen werden mit Füssen getreten oder aber schnellstmöglich von Polizisten in Kampfmontur geräumt, wenn mensch ohne kommerziellen Gedanken Feste und Partys veranstaltet, wird munter fichiert und beschlagnahmt, die Innenstadt wird gesäubert und geputzt und in vielen Quartieren verstellen Neubauten von Spekulanten und Grossinvestoren den Blick zur Sonne!

Freiraum findet im Denken der Politiker und Entscheidungsträger nur in reglementierten und kommerziellen Räumen statt! Dabei bedeutet es weit mehr als nur Flächen und Gebäude nutzbar zu erhalten, es ist auch nicht gleichbedeutend mit einer Zwischennutzung. Wir werden der Verwertungslogik trotzen und wollen ein selbstbestimmtes Leben führen! Für eine alternative Zukunft mit autonomen Strukturen!

STADT FÜR ALLE!