Wohnung an der Wasserstrasse 31 besetzt – Räumung angedroht

 

thumb-82176Letzten Dienstag am 7. Juni ist an der Wasserstrasse 31 eine leere Wohnung besetzt worden. Die Häuser in der Wasserstrasse gehören der Stadt und werden von Immobasel verwaltet. Wir fordern von den Eigentümern nichts Unmögliches, bloss einen Miet- oder Zwischennutzungsvertrag bis zum Abriss der Häuser oder zur Übergabe an eine Genossenschaft.

Wir sind nicht bereit, die teuren Mieten der Wohnungen auf dem Markt in Basel zu bezahlen. Wir wollen in diesen Häusern mit einem tiefen Standard und bezahlbaren Mieten leben. Überall sonst wird billiger Wohnraum zerstört, abgerissen und überbaut. Hier ist er noch vorhanden und soll erhalten bleiben. Insofern stehen wir hinter dem Versuch des Vereins Wasserstrasse, der sich für den Erhalt der Häuser auf legalem Weg einsetzt.

Üblicherweise werden leer werdende Wohnungen in der Wasserstrasse der Sozialhilfe abgegeben. Wir wehren uns gegen diese Taktik der Stadt, die Sozialhilfe zu intrumentalisieren, um den Widerstand gegen den Abriss der Häuser zu schwächen.

Ein Gespräch mit Herr Kressler und Frau Neidhart von Immobasel hat gezeigt, dass wir mit keinerlei Entgegenkommen von Seiten der Eigentümer rechnen können. Stattdessen haben die Besetzer_innen von der Stadt ein Ultimatum erhalten – Bis Sonntag, 19. Juni um 24 Uhr muss die Wohnung verlassen werden. Nicht ohne Grund ist der Räumungstermin exakt nach dem Quartierspaziergang angesagt worden.

Wir werden die Wohnung nicht freiwillig verlassen. Haltet Augen und Ohren offen!

Die Bewohner_innen der WG31
wg31@hotmail.ch

Basel Nord wird trockengelegt – Fluten wir zurück

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Eine lebendige Stadt. Eine Stadt, mit der die Menschen wachsen. Eine Stadt, die nicht bis ins letzte Detail durchgeplant und verwaltet ist, sondern Unerwartetes ermöglicht. Eine Stadt, die nicht bloss als Kulisse zur Selbstdarstellung der Architekt_innen dient, sondern von uns allen gestaltet wird. Eine Stadt, die nicht rentieren muss, sondern für uns alle da ist. Eine Stadt, in der wir Versteckis spielen können. Eine Stadt, in der wir uns weniger isoliert, beobachtet und ängstlich fühlen. Eine Stadt, in der Probleme nicht verwaltet und delegiert werden, sondern von uns selbst angegangen werden. Eine Stadt, die langsamer ist, die günstiger ist, die unberechenbarer ist.

Aus unseren immer mehr verwalteten Leben in einer uns immer fremder werdenden Stadt suchen wir die Orte, Stimmungen und Situationen, die unserem Tempo entsprechen, die uns zum Verweilen und tätig werden einladen.

Kommt alle an den grossen Quartierspaziergang, wo wir uns unsere Erfahrungen, unser Wissen und unsere Wünsche gegenseitig erzählen können. Schauen wir uns die Misere im Kleinbasel und im St. Johann doch einmal gemeinsam an.

Voltamatte in Basel wird belebt

Seit letztem Wochenende ist Leben auf dem Park zwischen dem Novartis Campus, den Neubauten an der Voltastrasse und den alten Häuser von Elsässer-, Kraft-, Licht- und Wasserstrasse eingekehrt. Es wird grilliert, gespielt, gebaut, Musik gehört, diskutiert, informiert, geliebt und sobald sich die Nacht über die Stadt legt, wird die Leinwand aufgehängt und Filme gezeigt. Eine kleine Chronologie.

Letzten Samstag, 21. Mai haben sich einige Anwohner_innen der Voltamatte getroffen, um gemeinsam einen Turm auf dem neu asphaltierten Voltaplatz zu bauen. Der Turm sollte ein Symbol, ein Mahnmal sein, von welchem über die gentrifizierte „Todeszone“ der Voltastrasse entlang und zum Zaun der „Verbotenen Stadt“ Novartis Campus geschaut werden kann. Das Gebiet, das im Zuge des Baus der Nordtangente, einer teils unterirdisch geführten Stadtumfahrungsautobahn eine starke „Aufwertung“ erfährt, ist schon länger Ort von Auseinandersetzungen um Gentrifizierung und damit zusammenhängender Verdrängung. Sei es wegen der ehemaligen Besetzungen in der Voltastrasse und dem „Elsie“, sei es wegen den langfristig anhaltenden militanten Aktionen gegen die Neubauten zwischen Volta- und Vogesenplatz, sei es wegen der bedrohten Häuserzeile an der Wasserstrasse, wo ein Verein aus Bewohner_innen versucht, die dem Abriss geweihten Häuser zu retten und selbstverwaltet weiterzuführen. (www.wasserstrasse.ch)
Nach dem Bau des Turmes trafen sich Anwohner_innen, es gab eine kleine Küche und Crêpes, später ein Konzert, bis in den späten Abend waren wir auf der Voltamatte, die wir ansonsten bestenfalls halbjährlich für konspirative Treffen nutzen.

Am Sonntag 22. Mai kam es auf der nächstgelegenen Rheinbrücke zu einer grossen, heftigen Wasserschlacht: Voll ausgerüstet zog man in den Kampf gegen die jeweils andere Rheinseite. Mehrere tausend Wasserballone flogen durch die heisse Sommerluft, es war ein Riesenspass! Auch danach fanden wir uns wieder auf der Voltamatte ein, belebten den am vorigen Tag gebauten Turm und zeigten einen Film. Langsam scheint sich abzuzeichnen, was niemand von uns erwartet hätte: Aus einem Aktionstag einiger Anwohner_innen scheint sich etwas zu entwickeln.

Montags wurde dann entschieden, die ganze Woche zu bleiben. Ein Programm ist aufgestellt worden, der Turm ist nun grösser geworden. Erste Leute verbringen ihre Nacht auf der Voltamatte, eine – ohne vorherige Planung – Platzbesetzung zeichnet sich ab. Einen Organisator gibt es bis heute nicht, dafür umso mehr Vielfältigkeit, Spontanität und lebenswerte Momente.

Alle sind eingeladen, ihre Zeit mit uns auf der Voltamatte zu verbringen. Wir wollen mit euch diskutieren, über die Verdrängung aus unseren alten Quartieren, über die Erfahrungen mit der Grossbesetzung des Alten Kinderspitals, der Verteidigung der Häuserzeile an der Wasserstrasse, der Off-Bar, dem Wunsch nach günstigem Wohnraum und lebendigem Freiraum und sowieso darüber, was das mit unserer Gesellschaft und dem Wirtschats- und Politsystem zu tun haben könnte.

Kommt vorbei! Bis Freitag sind wir sicher noch da: Infos, Diskussion, Grill, Musik, Spiel etc…

Wasserstrasse bleibt!

Es war einmal im St. Johann…
Aufwertung und Verdrängung

Eine Häuserzeile wird abgerissen, eine Strasse wird privatisiert, das Nachbarhaus wird entmietet, bezahlbare Wohnungen sind kaum mehr zu finden, und immer mehr Bekannte, die hier lebten, wohnen und bewegen sich inzwischen woanders. Was auf den ersten Blick wie eine zufällige Anhäufung von unangenehmen Ereignissen aussieht, hängt beim genaueren Hinsehen aufs Engste miteinander zusammen. All dies ist Teil einer von der Stadtplanung gewollten und koordinierten Aufwertung. Einer Aufwertung, die fast vollständig an den direkt Betroffenen vorbei durchgesetzt wird.
Der Plan der Stadt, 5000 neue Wohnungen für die sogenannten „guten Steuerzahler“ entstehen zu lassen, ist das Eine. Dass diese Neubauten hier fast ausschliesslich auf den Trümmern von günstigem Wohn- und Gewerberaum entstehen, das Andere. Ein Blick nach Zürich lässt erahnen, in welche Richtung sich auch Basel entwickelt: in der Stadt zu wohnen wird mehr und mehr zum Privileg, die letzten Sümpfe einer gewachsenen – und nicht von oben verordneten – sozialen Durchmischung werden trockengelegt.

Die Häuser an der Wasserstrasse

An der Wasserstrasse 21-39 steht eine vollständig erhaltene Häuserzeile, gebaut anfangs des letzten Jahrhunderts, die sich im Besitz der Immobilien Basel-Stadt befindet. Nun sollen auch sie der Aufwertung zum Opfer fallen. Die Stadt plant diese ab Mitte 2012 abzureissen. 52 Wohnungen, die günstigen Wohnraum bieten, würden auf einen Schlag verschwinden. Dagegen regt sich Widerstand: Bewohner_innen organisieren sich, um den Abriss zu verhindern und die Häuser genossenschaftlich zu übernehmen.

Der Konflikt um die Wasserstrasse könnte zu einer allgemeineren Aus- einandersetzung über die Quartierentwicklung beitragen und, im besten Fall, Betroffeneder Aufwertung zusammenbringen, um gemeinsam neue Wege zu gehen.

Eine andere Stadt

Architektur und Stadtplanung sind oft unterschätzte, aber umso wirkungsvollere Mittel zur Durchsetzung von Machtverhältnissen. Verdrängung und gezielte Veränderung der Bevölkerungsstruktur sind dabei nur der augenfälligste Aspekt. Aber auch die Stimmung, die über einer Strasse liegt, wird aufs heftigste von der Planung beeinflusst. Wo die Aufwertungsakteur_innen ihren Machtanspruch in Stahl, Glas und Beton verewigen, wirken die Menschen ganz klein daneben. Eine von Architekt_innen und sogenannten Stadtentwickler_innen durchgeplante Stadt verengt den Handlungsspielraum der direkt Betroffenen und macht sie letztendlich zu Fremden in ihrem eigenen Umfeld, zu Statisten in einem von oben inszenierten Drehbuch.
Gerade weil die gegenwärtigen Macht- und Besitzverhältnisse eine selbstbestimmte und kreative Aneignung der Stadt als realitätsfremde Spinnerei erscheinen lassen, ist es wichtig, ab und zu Funken einer anderen Wirklichkeit aufblitzen zu lassen: der Verwertungsmaschinerie von Stadtverwaltung und Investor_innen unsere Vorstellung von Stadt entgegenstellen. Eine Stadt, die für alle, auch die weniger gut betuchten, Platz bietet. Eine Stadt, die von Hunderten von Nachbarschaftsnetzen kleinräumig gestaltet wird. Eine Stadt, die Unerwartetes ermöglicht, die tausend verschiedene Stimmungen enthält, die uns unternehmungslustig macht. Wir als Bewohner_innen können die Bestimmtheit und Sterilität durchbrechen, durch Zweckentfremdung, Umnutzung, Umgestaltung der bereits bestehenden städtischen Landschaft neues Leben einhauchen. Auf dem Weg dorthin gibt es keinen Masterplan, kein einheitliches Vorgehen. Die Wiederaneignung der Stadt ist ein unkontrollierter Prozess der Vielheit.

Kein Abriss an der Wasserstrasse 21-39!

Netzwerk „DeRIVAt“ besetzt altes Kinderspital

Seit zwei Wochen steht das alte Kinderspital in Basel endgültig leer. Auf dem Areal ist eine Wohnüberbauung vorgesehen, die aber noch in der Planungsphase steckt – es ist mit mehreren Jahren bis zum effektiven Baubeginn zu rechnen. Es ist unklar, ob der Gebäudekomplex schon bald abgerissen wird oder noch lange leer steht. Klar ist aber, dass die bis Baubeginn brachliegenden Ressourcen ungenutzt bleiben sollen. Der Kanton Basel-Stadt, Eigentümer des Grundstücks, bemüht sich krampfhaft eine sinnvolle Zwischennutzung der Gebäude zu verhindern: Das Areal wurde verbarrikadiert und die Infrastruktur teilweise zerstört.
Wir halten diese Verhinderungspolitik für unsinnig und haben uns deshalb zu einem Aktionsnetzwerk zusammengeschlossen, um vor Ort zu intervenieren und eine alternative Nutzung der bestens erhaltenen Räumlichkeiten vorzuschlagen. Mit der kreativen Aneignung fordern wir, das alte Kinderspital einer freien Umnutzung für Kunst und Kultur zu öffnen, solange kein sinnvolles Neubauprojekt realisiert wird. Mit der Intervention wollen wir auch die Basler Stadtentwicklungspolitik kritisieren, welche sich primär nach ökonomischen Kriterien richtet statt nach den Bedürfnissen der BewohnerInnen dieser Stadt. Ihre Folgen zeigen sich aktuell beispielsweise an der Wasserstrasse, wo die Bewohnerschaft einer ganzen Häuserzeile verdrängt werden soll.

Mehr zur Argumentation für unser Projekt finden Sie im angehängten Grundsatzpapier. Neuigkeiten werden wir möglichst zeitnah per E-Mail und auf unserer Website publizieren. Erstes Bild- und Tonmaterial finden Sie in der aufgezeichneten Pressekonferenz.
Wir freuen uns über Ihre Berichterstattung und laden Sie herzlich zum Besuch ein. Wir bitten alle Medien, die informationelle Selbstbestimmung der Beteiligten vor Ort zu achten. Das heisst, keine Aufzeichnungen irgendwelcher Art ohne vorherige Absprache mit den Betroffenen und eindeutige Deklaration des Zweckes. Medienschaffende, die uns besuchen, bitten wir um eine Anmeldung beim Infodesk.

New Kids On The Blockrandbebauung

deRIVAt im alten Kinderspital

Die Ökonomisierung der Gesellschaft im Neoliberalismus betrifft wie alle Lebensbereiche auch die Produktion des städtischen Raumes. Nicht nur Verteilung und Zugänglichkeit von Wohnraum unterliegen ökonomischen Kriterien; öffentliche Räume werden privatisiert und auch die Verfügbarkeit von Räumen für Kunst und Kultur ist einer Logik der kommerziellen Verwertbarkeit unterworfen. Für die »unternehmerische Stadt« haben Stadtentwicklung und Kulturpolitik vor allem den Zweck der Standortaufwertung. Die Bedürfnisse ihrer Bewohnerinnen werden je nach Steuer- und Produktivkraft wahrgenommen oder eben nicht.
Freiräume gibt es auch in Basel viel zu wenige; weil sie nicht bezahlbar sind oder von der städtischen Bürokratie verdrängt werden. Doch Freiräume sind essentiell für Kunst und Kultur – letztlich für das Leben in der Stadt überhaupt. Freiräume sind offen gegenüber den selbstbestimmten Bedürfnissen ihrer Nutzer. Sie erlauben eine autonome künstlerische Praxis, die nicht von ihrer Verkäuflichkeit abhängig ist. Das Problem ist nicht, dass die Räume materiell nicht vorhanden wären, sondern die gesellschaftliche Ungleichheit ihrer Verteilung. Eine Möglichkeit, die Unvernunft dieser Verteilung zu durchbrechen, ist die Neu- und Zwischennutzung von ungenutzten Infrastrukturen. Wenn uns unsere Stadt die notwendigen Freiräume nicht bieten kann, dann müssen wir sie uns selbst aneignen.
Mit der Umzonung des Areals des alten Kinderspitals und der Abgabe im Baurecht wird einmal mehr städtischer Raum an private, gewinnorientierte Interessen verausgabt. Die bestens erhaltene Bausubstanz soll abgerissen werden, um einer weiteren sterilen Überbauung mit hochpreisigen Wohnungen »in bester Lage« Platz zu machen. Das Projekt ist in verschiedenster Hinsicht zu kritisieren. Es ist Teil einer städtischen Aufwertungspolitik, die sich primär für gute Steuerzahler interessiert und an einem attraktiven Image für Kapital und Tourismus bastelt. Die Stadt wird so zum Wirtschaftsstandort umgebaut, der sich mit schicken Wohnungen und tollen Konsumangeboten vermarktet. Die Verdrängung von Einkommensschwachen an die Peripherien und die Privatisierung von öffentlichen Räumen sind nur die offensichtlichsten Folgen. Warum aufwändig neue Häuser bauen, wenn die alten sinnvoll nutzbar wären?
Mit unserer Intervention wollen wir Basel, das sich als attraktive und investorenfreundliche Kulturstadt profilieren möchte, daran erinnern, dass seine Kulturproduzentinnen auch Bedürfnisse haben und sich nicht in wertvolle, subventionierte Kunst und den lästigen, unproduktiven Rest spalten lassen. Kunst und Kultur finden auch ausserhalb des »Opernhaus des Jahres« statt. Wir sind Menschen, die in Basel leben, arbeiten, kulturell und künstlerisch tätig sind. Wir sind keine definierbare Gruppe, sondern eine Ansammlung von prekären Subjekten, deren Anliegen es ist, die kollektiven Bedingungen zur Ermöglichung ihrer Selbstbestimmung herzustellen. Wir wollen keine Kulturwaren produzieren, sondern verstehen unsere Praxis auch als politische Auseinandersetzung mit dem Zusammenleben in der Stadt und Gesellschaft, für welche die herrschenden Verhältnisse allen Anlass geben. Wesentlich dafür ist die Forderung nach Freiräumen, die unsere Aktion artikuliert, es will aber nicht dabei stehen bleiben und formuliert grundsätzlichen Widerspruch gegen den Unsinn der neoliberalen Stadtverwüstung und ihre ausschliessenden Konsequenzen.
Unser gemeinsamer Nenner ist nicht ein politisches Programm, sondern das Engagement für ein Recht auf Stadt. Dieses würde die Bedürfnisse aller, mit denen wir Basel teilen, wahrnehmen und berücksichtigen. Denn wir bestimmen gerne selbst, was wir für unsere Bedürfnisse und ein gutes Leben halten. Eine lebendige Stadt wäre ein Ort der Auseinandersetzung und Vermittlung von widersprüchlichen Subjektivitäten. Deshalb kann eine emanzipatorische Stadtentwicklung nur ein kollektiver und horizontaler Prozess der Beteiligung und Aushandlung sein, nicht eine Politik von oben zur Konfliktverwaltung und Durchsetzung von Kapitalinteressen.
Wir verstehen unsere Aktion als Experiment und Form der radikaldemokratischen Intervention und Partizipation. Wir wollen damit unsere Bedürfnisse und deren Legitimität sichtbar machen. Das kann nur gelingen, wenn wir die Verstrickungen unserer eigenen Praxis reflektieren und vermitteln. Freiräume werden nicht durch Barrikaden geschaffen, sondern durch die Öffnung von privatisierten Räumen. Unser Ziel ist es, eine breite, unvoreingenommene Beteiligung von verschiedensten Akteuren anzustossen, die in selbstverwaltete Projekte münden soll, was nur durch die Bereitschaft zu Dialog und Kooperation mit allen Betroffenen erreicht werden kann.
Durch unsere Aneignung werden neue Räume geöffnet, die wir umgehend nutzen und bespielen wollen mit selbstdefinierten Inhalten, worin sich unsere Forderungen ausdrücken können. Neben dem Akt der Aneignung und der Öffentlichkeitsarbeit vermittelt sich unser Projekt vor allem durch die spontane Aktion vor Ort. Sie ist soziale Plastik, kollektive Wunschproduktion und politisches Labor für Utopien. Es entsteht Raum für Kunst und Kultur, die ihre Relevanz und Notwendigkeit aus sich selbst begründen, unabhängig von Marktwert, Mäzenentum und identitärer Politik der Distinktion. Vielleicht bietet die unkonventionelle Situation eine Möglichkeit, der Flüchtigkeit und dem Verwertungsdruck in der Kulturindustrie für einen Moment zu entkommen? Wie liesse sich eine von uns abgetrennte und entfremdete Stadt des Spektakels wieder erfahrbar machen? Die Herausforderung besteht darin, im entstehenden Raum improvisierend etwas zu entwickeln, was unsere Forderungen irgendwie repräsentieren oder zugänglich machen kann. Ästhetisch sind der künstlerischen Arbeit dabei keine institutionalisierte Grenzen gesetzt, diese werden formal einzig durch den Charakter der Aktion und die ausgelösten Reaktionen gezogen. Die Auflösung von Grenzen und Kategorien reflektiert auch die gesellschaftliche Produktion des Raumes und die herrschenden Bedingungen einer Kulturproduktion, die zunehmend zur Ästhetisierung der spektakulären Warenwelt instrumentalisiert wird. Der Wert des Entstehenden liegt denn auch weniger im Produkt als im Prozess des sozialen und künstlerischen Experiments. Am Samstag wird eingerichtet und es gibt Musik. Am Sonntag soll das Haus mit Brunch eröffnet werden. Das Projekt dauert solange wie notwendig und die Umstände es zulassen – sein Verlauf bleibt unbestimmt.
Das vorliegende Papier stellt den pragmatischen Konsens unseres informellen Projektnetzwerks dar. Es dient der internen und externen Verständigung und als Basis für die gemeinsam getragene Durchführung und weitere Entscheidungsfindung – davon abgesehen sind die einzelnen Akteure autonom in der Gestaltung. Planung und Koordination des Projekts werden von den Beteiligten durch egalitäre Formen der kollektiven Vermittlung ausgetragen.

  • Kein Leerstand/Abriss des alten Kinderspitals – ein selbstverwaltetes Projekt für Viele anstelle von Luxusüberbauung und Investmentprofite für Wenige!
  • Wir fordern Freiräume, für Kunst und Kultur, die gegenüber den selbstbestimmten Bedürfnissen ihrer Gestalterinnen und Nutzer offen sind und deren freie Entfaltung ermöglichen!
  • Für eine emanzipatorische Aneignung der Stadt jenseits von ökonomischer Verwertungslogik und simulierter Partizipation – für ein Recht auf Stadt!